Schufa: 2. Chance ausgebremst?

Arbeitsgemeinschaften


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11. Juni 2015 - 19:00 Uhr

Alte Schule, Bahnhofstraße 7, 85540 Haar

Referent: Florian von Brunn

Mittels des sog. Scoring Verfahrens werden Aussagen zum Zahlungsverhalten der Privatkunden sowie von Kleinunternehmern und Selbständigen getroffen. Diese Aussagen haben weitreichende Konsequenzen für die entsprechenden Personen. In diesem Zusammenhang bedeutet eine Insolvenz fast immer eine langjährigen negative Bewertung.

Auch der erfolgreiche Abschluss der Wohlverhaltensphase führt nicht zu einer besseren Bewertung. Im Gegenteil, die Auskunfteien nutzen die Veröffentlichung der Information zur Restschuldbefreiung in Ihren Daten noch weitere drei Jahre. Ob dies mit der InsoBekV in Einklang zu bringen ist, ist umstritten. Eine solch lange Frist - 10 Jahre über das gesamte Verfahren - mit negativem Rating erschwert den Neuanfang für Selbständige und UnternehmerInnen erheblich. Gleichzeitig haben aber gerade kleine Handwerker ein starkes Interesse daran, die Kreditwürdigkeit Ihrer Kunden einzuschätzen.

 

Morgen berät der Bundestag über den Gesetzesentwur der Grünen, die Regelungen zum Scoring, inbesondere zum Thema Geo-Scoring anzupassen. Wie so oft, stehen bei diesem Thema sich zwei Interessengruppen gegenüber. Auf der einen Seite finden sich liefernde Unternehmen, die Zahlungsausfälle vermeiden möchten. Für Unternehmen ist es wichtig, im Wirtschaftsleben unseriöse Geschäftspartner möglichst früh zu erkennen. Doch der Blick in die Zukunft fällt meistens schwer. Abhilfe sollen hier die nach statistischen Verfahren ermittelten Scorewerte schaffen. Statistik und Mathematik klingt nach Neutralität und verlässlichem Urteil. Ein Algorithmus wird aber von Menschen gemacht. Menschen haben Vorurteile und beeinflussen damit auch Bewertungskriterien. Für das aktuell angewandte Verfahren von 2001 wurden ca. 6,7 Mio. anonymisierte Datensätze über eine „Reifezeit“ von 15 Monaten ausgewertet. Ob dabei persönlichen Präferenzen der Autoren einflossen sind oder nicht, bleibt das Geschäftsgeheimnis der Schufa. Das die Schufa ihr Geschäftswissen schützen möchte, ist nachvollziehbar und wurde auch durch das Bundesverfassungsgericht bestätigt. Ist es jedoch für uns Bürger wünschenswert, wenn hier der Einzelne z. B. für sein Wohnumfeld oder seinen Vornamen mit in die Verantwortung der Gesamtgruppe gezogen wird? Sollen einzelne Personen unabhängig vom persönlichen Gebaren in solchen Fällen „abgestuft werden? Soll man nur dadurch vertrauenswürdiger sein, wenn man in einem besseren Viertel wohnt?

Dann gibt es noch die oben beschriebenen lang andauernde Negativbewertung im Falle einer Insolvenz. Hier gibt es zahlreiche Beispiele, wie ein Neustart durch das hartnäckig schlechte Scoring unmöglich gemacht wird. Bei uns entsteht dadurch ein wirtschaftlicher Schaden, wenn diese Personen zu lange aus dem Wirtschaftsleben ausgeschlossen werden. Die Gründer der Unternehmen des Silicon Valley werden von vielen bewundert. Weniger bekannt ist, dass viele von ihnen schon mindestens einen „Fehlstart“ hatten und von diesem Wissen die weiteren Gründungen profitierten.

Die AGS München Land möchte in Kooperation mit den Ortvereinen Haar, Aschheim, Unterschleißheim und Grasbrunn dieses interessante Thema in möglichst vielen Facetten beleuchten. Dazu schildern die Akteure der AGS Fälle aus der Praxis. Ewald Matejka, Finanzierungs- und Sanierungsexperte gibt Tipps im Umgang mit Scoring und Finanzierung. Florian von Brunn, verbraucherpolitischer Sprecher der SPD Fraktion des Bayerischen Landtages berichtet über die aktuelle Lage zu diesem Thema aus dieser Sicht. Und im Anschluss freuen wir uns über eine lebhafte Diskussion.

28.05.2015, Michaela Mellinger, 1. Vorsitzende der AGS München Land (Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen in der SPD)

 
 

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